Skip to Content

Poems

Level I Poems

German Day 2017: Jugend Level I Poems

Level 1 Poems (PDF)

Stammbuch von Franz Grillparzer (1791-1872)

Werde, was du noch nicht bist,

bleibe, was du jetzt schon bist.

In diesem Bleiben und diesem Werden

Liegt alles Schöne hier auf Erden.

 

emma von Arne Rautenberg (geboren 1967)

wird was gutes schlimmer

bleibe immer emma

hast du keinen schimmer

bleibe immer emma

schickt man dich ins zimmer

bleibe immer emma

klappt was nie und nimmer

bleibe immer emma

 

Zweite Jugend von Hans Manz (geboren 1931)

Eine große dicke Kuh

raste über die Weide,

warf den Kopf und alle beide

Hinterbeine hoch in die Luft,

hüpfte wie toll

und schnaubte laut.

Das hatte sie

ihrem Kalb abgeschaut.

 

Neubeginn von Ernst Ferstl (geboren 1955)

Die Freiheit,

jederzeit

etwas Neues

anfangen zu können,

dürfen wir uns

von niemandem

nehmen lassen;

nicht einmal

von unserer Angst,

alte Fehler zu wiederholen

oder in ein neues

Unglück zu rennen.

 

Lebensluft von Christian Morgenstern (1871-1914)

Freiheit!

Freiheit!

Nur keine Liebe,

die ich nicht will,

nur keine Vogelschlingen

mich Liebender,

nur kein Handauflegen

den leichten Flügeln

der Seele!

Denn alle Liebe

will besitzen,

und ich

will nicht

besessen sein.

 

Im wunderschönen Monat Mai von Heinrich Heine (1797-1856)

Im wunderschönen Monat Mai,

als alle Knospen sprangen,

da ist in meinem Herzen

die Liebe aufgegangen.

 

Im wunderschönen Monat Mai,

als alle Vögel sangen,

da hab ich ihr gestanden

mein Sehnen und Verlangen.

Level II Poems

German Day 2017: Jugend Level II Poems

Level 2 Poems (PDF)

Die blaue Blume von Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Ich suche die blaue Blume,

Ich suche und finde sie nie,

Mir träumt, dass in der Blume

Mein gutes Glück mir blüh.

 

Ich wandre mit meiner Harfe

Durch Länder, Städt und Au'n,

Ob nirgends in der Runde

Die blaue Blume zu schaun.

 

Ich wandre schon seit lange,

Hab lang gehofft, vertraut,

Doch ach, noch nirgends hab ich

Die blaue Blum geschaut.

 

Ein anderes von Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Geh! Gehorche meinen Winken,

Nutze deine jungen Tage,

lerne zeitig, klüger sein.

Auf des Glückes großer Waage

steht die Zunge selten ein.

Du musst steigen oder sinken,

Du musst herrschen und gewinnen

oder dienen und verlieren,

leiden oder triumphieren,

Amboss oder Hammer sein!

 

Mein Kind, du bist schon lang der Mutter aus den Wiegen von Friedrich Rückert (1788 – 1866)

Mein Kind, du bist schon lang der Mutter aus den Wiegen;

nun hilf dir selbst! Wie du dich bettest, wirst du liegen.

Die Flügel wuchsen dir; gebrauche sie zum Fliegen!

Der kommt nicht auf den Berg, wer nicht hinaufgestiegen;

greif an die Schwierigkeit, so wirst du sie besiegen!

 

Salomons Lehre von Walther von der Vogelweide (um 1170/75 - um 1230)

Wie war die Welt einst wohlgetan!

Nun aber höhnt und spottet man:

Die guten Zeiten sind verblüht,

Die Alten werden weggezwungen.

Ja, spottet, spottet nur der Greise!

Euch wird’s ergehn in gleicher Weise,

Sobald die Jugend euch entflieht.

Dann spotten euch die eig’nen Jungen –

Und mehr noch weiß ich, was geschieht.

 

Frühlingstag von Hermann Hesse (1877-1962)

Wind im Gesträuch und Vogelpfiff

Und hoch im höchsten süßen Blau

Ein stilles, stolzes Wolkenschiff. . .

Ich träume von einer blonden Frau,

Ich träume von meiner Jugendzeit,

Der hohe Himmel blau und weit

Ist meiner Sehnsucht Wiege,

Darin ich stillgesinnt

Und selig warm

Mit leisem Summen liege,

So wie in seiner Mutter Arm

Ein Kind.

 

Hörst du wie die Brunnen rauschen von Clemens Brentano (1778–1842)

Hörst du, wie die Brunnen rauschen?

Hörst du, wie die Grille zirpt?

Stille, stille, lass uns lauschen,

Selig, wer in Träumen stirbt;

Selig, wen die Wolken wiegen,

Wem der Mond ein Schlaflied singt;

O! wie selig kann der fliegen,

Dem der Traum den Flügel schwingt,

Dass an blauer Himmelsdecke

Sterne er wie Blumen pflückt:

Schlafe, träume, flieg, ich wecke

Bald dich auf und bin beglückt.

Level III Poems

German Day 2017: Jugend Level III Poems

Level 3 Poems (PDF)

Wandervögel von Heinrich Seidel (1842-1906)

Wandervögel durch die Lüfte

Gleiten hin im Abendglühn,

In das Land der Märchendüfte,

In das Land des ew'gen Grün.

 

Ziehn vorbei an Tal und Hügeln,

An so manch' geliebtem Ort;

Und auf ihren leichten Flügeln

Tragen sie den Frühling fort.

 

Doch ich weiß, ihr kehrt ja wieder:

Singend in des Frühlings Schein

Bringt den Wunderklang der Lieder

Ihr vom Märchenlande heim.

 

Der du treulos mir entschwunden,

Wandervogel, goldnes Glück -

Nach so tausend grauen Stunden -

Wann - ach wann kehrst du zurück?!

 

Glück von Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Wie jauchzt meine Seele

Und singet in sich!

Kaum, dass ich's verhehle,

So glücklich bin ich.

 

Rings Menschen sich drehen

Und sprechen gescheut,

Ich kann nichts verstehen,

So fröhlich zerstreut. —

 

Zu eng wird das Zimmer,

Wie glänzet das Feld,

Die Täler voll Schimmer,

Weit herrlich die Welt!

 

Gepresst bricht die Freude

Durch Riegel und Schloss,

Fort über die Heide!

Ach, hätt ich ein Ross! —

 

Und frag ich und sinn ich,

Wie so  mir geschehn: —

Mein Liebchen herzinnig,

Das soll ich heut sehn!

 

Das Ständchen von Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Auf die Dächer zwischen blassen

Wolken scheint der Mond herfür,

Ein Student dort auf der Gassen

Singt vor seiner Liebsten Tür.

 

Und die Brunnen rauschen wieder

Durch die stille Einsamkeit,

Und der Wald vom Berge nieder,

Wie in alter, schöner Zeit.

 

So in meinen jungen Tagen

Hab ich manche Sommernacht

Auch die Laute hier geschlagen

Und manch lust'ges Lied erdacht.

 

Aber von der stillen Schwelle

Trugen sie mein Lieb zur Ruh -

Und du, fröhlicher Geselle,

Singe, sing nur immer zu!

 

Ach, Liebste lass uns eilen von Martin Opitz (1624)

Ach, Liebste, lass uns eilen,

Wir haben Zeit:

Es schadet das Verweilen

Uns beiderseit.

 

Der edlen Schönheit Gaben

Fliehn Fuß für Fuß,

Dass alles, was wir haben,

Verschwinden muss.

 

Der Wangen Zier verbleichet,

Das Haar wird greis,

Der Äuglein Feuer weichet,

Die Brust wird Eis.

 

Das Mündlein von Korallen

Wird ungestalt,

Die Hand als Schnee verfallen,

Und du wirst alt.

 

Drum lass uns jetzt genießen

Der Jugend Frucht,

Eh denn wir folgen müssen

Der Jahre Flucht.

 

Wo du dich selber liebest,

So liebe mich,

Gib mir, dass, wann du gibest,

Verlier auch ich.

 

Der Panther von Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

so müd’ geworden, dass er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

und hinter tausend Stäben keine Welt.

 

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

in der betäubt ein großer Wille steht.

 

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,

geht durch der Glieder angespannte Stille -

und hört im Herzen auf zu sein.

 

Heidenröslein von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Sah ein Knab ein Röslein steh´n

Röslein auf der Heiden

War so jung und war so schön

Lief er schnell es nah zu seh´n

sah´s mit vielen Freuden

Röslein, Röslein, Röslein rot

Röslein auf der Heiden.

 

Knabe sprach: "Ich breche dich,

Röslein auf der Heiden."

Röslein sprach: "Ich steche dich,

Dass du ewig denkst an mich,

Und ich will's nicht leiden."

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

 

Und der wilde Knabe brach

's Röslein auf der Heiden;

Röslein wehrte sich und stach,

Half ihm doch kein Weh und Ach,

Musst es eben leiden.

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

Level IV Poems

German Day 2017: Jugend Level IV Poems

Level 4 Poems (PDF)

Ihr Wandervögel in der Luft von Otto Roquette (1824-1896)

Ihr Wandervögel in der Luft,

Im Ätherglanz, im Sonnenduft

In blauen Himmelswellen,

Euch grüß' ich als Gesellen!

 

Ein Wandervogel bin ich auch

Mich trägt ein frischer Lebenshauch,

Und meines Sanges Gabe

Ist meine liebste Habe.

 

Im Beutel rostet mir kein Geld,

Das rennt wie ich in alle Welt,

Die ganze Welt durchfliegen

Ist besser als verliegen.

 

Dem blanken und dem frischen gar

Dem gönn' ich gern die Wanderjahr',

Das muss mit all dem andern

Gleich wieder weiter wandern.

 

Wo mir ein voller Becher blinkt --

Den möcht' ich sehen, der mich zwingt,

Dass ich das Gottgeschenke

Nicht voller Freuden tränke!

 

Beim Schopfe nimm den Augenblick!

Das ist mein Spruch, das ist mein Schick,

Ich hasse was da staubig,

Nur an das Frische glaub' ich!

 

Wenn hell die goldne Sonne lacht (mündlich überliefert u. ein Wandervogel-Lied)

Wenn hell die goldne Sonne lacht, muss in die Welt ich ziehn,

denn irgendwo muss voller Pracht die blaue Blume blühn.

So wandre ich landauf, landab, such dieses Blümelein,

und erst wenn ich's gefunden hab, stell ich das Wandern ein.

 

Im Wald die kleinen Vögelein, hab' ich umsonst gefragt:

Wo find ich dieses Blümelein? Man hat mir's nicht gesagt.

Ich such's auf weiter grüner Au und werde nicht mehr froh.

Das einzig schöne Blümlein blau, es blüht doch irgendwo!

 

Und lacht mir einst das große Glück im Auge einer Maid.

Leb wohl mein Schatz, ich kehr zurück, noch hab ich keine Zeit.

Wenn hell die goldne Sonne lacht, muß in die Welt ich ziehn,

denn irgendwo muss voller Pracht die blaue Blume blühn.

 

Wir wollen zu Land ausfahren (ein Wandervogel-Lied) von Hjalmar Kutzleb (1885-1959)

Wir wollen zu Land ausfahren,

über die Fluren weit,

aufwärts zu den klaren

Gipfeln der Einsamkeit.

Lauschen, woher der Sturmwind braust,

schauen, was in den Wäldern wohl haust,

und wie die Welt so weit,

und wie die Welt so weit.

 

Fremde Wasser dort springen,

sie soll'n unser Weiser sein,

froh wir wandern und singen

Lieder ins Land hinein.

Und brennt unser Feuer an gastlicher Statt,

So sind wir geborgen und schmausen uns satt,

und die Flamme leuchtet darein,

und die Flamme leuchtet darein. . . .

 

Es blühet im Walde tief drinnen

die blaue Blume fein;

die Blume zu gewinnen,

ziehn wir in die Welt hinein.

Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluß,

und wer die blaue Blume finden will, der muß

ein Wandervogel sein,

ein Wandervogel sein.

 

Die Gedanken sind frei Volkslied, bearbeitet von Hoffmann von Fallersleben (1842)

Die Gedanken sind frei,

wer kann sie erraten?

Sie fliegen vorbei

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger erschießen

mit Pulver und Blei.

Die Gedanken sind frei!

 

Ich denke, was ich will

und was mich beglücket,

doch alles in der Still',

und wie es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren

kann niemand verwehren,

es bleibet dabei:

Die Gedanken sind frei!

 

Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker,

ich spotte der Pein

und menschlicher Werke;

denn meine Gedanken

zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei:

Die Gedanken sind frei!

 

Drum will ich auf immer

den Sorgen entsagen,

und will mich auch nimmer

mit Grillen mehr plagen.

Man kann ja im Herzen

stets lachen und scherzen

und denken dabei:

Die Gedanken sind frei!

 

 

Mailied von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Wie herrlich leuchtet

Mir die Natur!

Wie glänzt die Sonne!

Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten

Aus jedem Zweig

Und tausend Stimmen

Aus dem Gesträuch

 

Und Freud' und Wonne

Aus jeder Brust.

O Erd', o Sonne!

O Glück, o Lust!

 

O Lieb', o Liebe!

So golden schön,

Wie Morgenwolken

Auf jenen Höhn!

 

Du segnest herrlich

Das frische Feld,

Im Blütendampfe

Die volle Welt.

 

O Mädchen, Mädchen,

Wie lieb' ich dich!

Wie blickt dein Auge!

Wie liebst du mich!

 

So liebt die Lerche

Gesang und Luft,

Und Morgenblumen

Den Himmelsduft,

 

Wie ich dich liebe

Mit warmem Blut,

Die du mir Jugend

Und Freud' und Mut

 

Zu neuen Liedern

Und Tänzen gibst.

Sei ewig glücklich,

Wie du mich liebst!

 

Stufen von Hermann Hesse (1877-1962)

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,

Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!

Poem Archive